Newsletter August 2018

Harmonie und Chaos

Wenn sich das Leben uns von seiner harmonischen Seite zeigt, fällt es uns leicht, das Leben so anzunehmen, wie es ist. Wir haben dann das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind, dass die Dinge so laufen, wie sie es unserer Ansicht nach sollen. Wir fühlen uns bestätigt in unseren Handlungen und Entscheidungen und sind dankbar, dass das Universum das offenbar auch so sieht indem es uns mit einem harmonischen Verlauf unseres Lebens belohnt.

Wenn sich hingegen das Blatt wendet und wir uns auf einmal inmitten des Chaos wiederfinden, dann wollen wir die Situation so schnell wie möglich wieder verlassen. Offenbar sind wir irgendwo falsch abgebogen, die Anderen haben sich gegen uns verschworen oder das wankelmütige Universum hat uns (wieder einmal) hintergangen.
Auf den ersten Blick scheint das Vertrauen ins Leben der logische, natürlich Begleiter der Harmonie zu sein. Wenn wir nur dauerhaft Harmonie erfahren würden, in harmonischen Umständen leben würden, dann, so denken wir, würden wir wissen, dass uns nichts Schlimmes geschehen kann, dass wir in Sicherheit sind.

Aber wenn wir diese Annahme überprüfen, stellen wir fest, dass wir in der Harmonie merkwürdigerweise nie so ganz entspannen können. Ein Teil von uns verharrt immer in einer Art „Hab-Acht-Stellung“. Denn letztlich spüren wir in unserem tiefsten Innern, dass es so etwas wie Dauerhaftigkeit nicht gibt und das trifft eben leider auch auf die Harmonie zu. Im Zentrum der Sehnsucht nach Harmonie findet sich daher nicht das Vertrauen, sondern stattdessen die Angst.

Und wie sieht es mit dem Chaos aus? Was ist sein Potential, was es enthält es im Kern? Zunächst einmal ist das Chaos durch hohe energetische Intensität gekennzeichnet. Diese Energien sind scheinbar undifferenziert, unausgerichtet, unberechenbar. Das ist uns nicht direkt sympathisch und schon gar nicht angenehm. Unser Verstand neigt dazu, Alarm zu schlagen und empfiehlt uns, in die Angst zu gehen, Verteidigungsstrategien zu entwickeln und nach Sicherheit Ausschau zu halten.

So entgeht uns meist das ungeheure kreative Potential, das das Chaos für uns bereit hält. Neale D. Walsch hat einmal gesagt: „Das Leben beginnt am Rande der Bequemlichkeitszone.“ Wenn wir uns mit dieser Einstellung den Energien des Chaos öffnen, wenn wir neugierig und mutig genug sind, dann wird das Chaos uns reich beschenken. Es wird uns mehr und immer mehr von uns selbst zeigen. So dass wir unsere Grenzen nicht mehr so sorgfältig schützen müssen.

Und in seinem Zentrum hält das Chaos vielleicht seine größte Überraschung bereit: hier ist nämlich das bedingungslose Vertrauen in das Leben beheimatet, das uns die gemeinsame Natur von Harmonie und Chaos erkennen lässt.