Newsletter August 2019

Im Wandel des Besonderen

In jedem Augenblick unseres Lebens sind wir unterwegs. Was ist das nächste Projekt, das nächste Ziel, die nächste Aufgabe? Was wollen wir in uns entwickeln, was ist das nächste Level? Was ist das Andere, das Besondere, was uns Erfüllung bringen wird?

Wenn wir zurückschauen erkennen wir, dass das Besondere mal dies, mal das war. Mal war es eine Sache, ein Fahrrad, ein Auto, ein Haus oder ein Handy. Ein anderes Mal war es ein Titel, eine Ausbildung oder eine berufliche Position. Dann die Beziehung fürs Leben, Familie, spirituelle Entwicklung. Die Reihe endet nie.

Das jeweils Be-sondere sondert das eine vom anderen. Es sondert das, was jetzt ist, von dem, was wir stattdessen gerne hätten. In Wirklichkeit gibt es aber das eine nicht ohne das andere. Nichts kann aus der Einheit des Lebens abge-sondert und einzeln in Besitz genommen werden, schon gar nichts auf Dauer.

Vielleicht ist also das nächste Besondere ganz nicht so besonders, wie wir es uns stets von neuem glauben machen. Gut möglich, das es eher früher als später seinen Glanz verliert und sich zu den vielen anderen vergangenen Besonderen gesellt. Uns könnte der Verdacht kommen, dass es überhaupt gar nichts gibt, was unbedingt erreicht werden muss. Das kann erschreckend sein oder auch erleichternd. Die Jagd auf das Besondere könnte jedenfalls in Frage gestellt werden.

Wenn wir an diesem Punkt den Mut haben und uns erlauben können, eine gewisse Orientierungslosigkeit zuzulassen, kann Innehalten geschehen. Wir werden in diesen Augenblick zurückgeworfen. Mehr ist nicht da. Dieser Augenblick weitet sich und zeigt sich uns ganz. Vielleicht erkennen wir ihn dann als das Besondere, nach dem wir immer gesucht haben. Auch und gerade dann, wenn es ein ganz alltäglicher Augenblick ist.