Newsletter März 2021

Zeitmaschine Ego

Wir alle haben eine gedankliche Vorstellung davon, wer wir sind. Dieses Konstrukt bezeichnen wir gewöhnlich als Ich oder Ego. Dass es genau das ist, nämlich ein reines Konstrukt, das aus unserer persönlichen und kulturellen Konditionierung entstanden ist, dessen sind wir uns meist nicht bewusst. Wir halten das Ego für etwas Echtes, etwas mit Substanz, etwas das aus sich selbst heraus mit Lebenskraft und schöpferischer Energie ausgestattet ist.

Aber ist das wirklich der Fall? Wenn wir aus dem Ego heraus und einen Schritt zur Seite treten, nehmen wir wahr, dass das Ego sich ständig neu erschaffen muss, um sich seine Existenz zu beweisen. Es spielt sich selbst in den sich wiederholenden Melodien der Gedanken, die es mit den Harmonien seiner Emotionen untermalt. Dabei bewegt es sich so wenig wie möglich im Hier und Jetzt, sondern treibt sich vorzugsweise entweder im Dort und Damals oder im Anderswo und Irgendwann herum.

Das Ego funktioniert wie eine hibbelige Zeitmaschine, die sich auf der eigenen Zeitlinie fortwährend mal vorwärts, mal rückwärts, mal hierhin, mal dahin katapultiert, aber den Punkt der Gegenwart konsequent vermeidet. Selbst wenn es sich in der Gegenwart zu bewegen scheint, betrachtet es sich entweder selbst aus den Augen der Vergangenheit oder benutzt die Gegenwart als Mittel, um sich selbst in die Zukunft hinein zu fantasieren.

Nur aus der Geschichte einer Vergangenheit kann das Ego sich selbst als etwas Gewachsenes, Substantielles konstruieren. Nur aus der Geschichte einer Zukunft kann sich das Ego als etwas Bleibendes, Dauerhaftes projizieren.

Wer bist du ohne deine Vergangenheit? Bist du dann überhaupt?

Wer bist du ohne deine Zukunft? Bist du dann überhaupt?

Die Zeitmaschine überlebt nur in unaufhörlicher Bewegung und benötigt daher viel Energie für die mentalen und emotionalen Prozesse. Oft scheint für die Bewusstheit an sich, für das Gewahrsein, nicht mehr viel übrig zu bleiben. Aber glücklicherweise kann das Getöse des Ego deiner wahren Natur, deiner tieferen Essenz, letzten Endes nicht das Geringste anhaben. Jeder Moment bietet eine neue Gelegenheit, dich ein klein wenig mehr in dieser Ebene deines Seins zu verankern.

Denn jeder kleine Schritt heraus macht einen Unterschied.

Jeder Moment des Innehaltens und der Stille.

Jedes Beobachten des Denkers.

Jede kurze Einstimmung auf das Energiefeld des inneren Körpers.

Jeder Moment der Achtsamkeit.

Jedes Ja zu dem, was ist.