Newsletter Februar 2021

Abschied als Chance

Jedes Mal, wenn in unserem Leben etwas zu Ende geht, müssen wir Abschied nehmen und das geschieht ziemlich oft. Es gibt kleine Abschiede, wie das Ende eines Essens, eines spannenden Films oder eines Urlaubs. Und größere Abschiede wie das Ende einer Karriere oder der Auszug der Kinder. Viele dieser Abschiede sind begleitet von einem Gefühl des Unbehagens oder Bedauerns, Manchmal selbst dann, wenn uns vollkommen klar ist, dass es in Ordnung oder sogar unumgänglich ist, dass uns die betreffenden Dinge, Ereignisse oder Personen verlassen.

Wenn eine solche äußere Form sich auflöst, geschieht auch etwas in unserem Inneren. Es entsteht eine Art Lücke in dem Bewusstseinsfeld, als das wir uns wahrnehmen. Damit geht meist das Empfinden von Leere einher – und die ist kein gern gesehener Gast in unserem Inneren. Die Leere ist eng verknüpft mit diesem Gefühl von Unbehagen und Bedauern. Damit können wir wenig anfangen, wir wollen lieber angefüllt sein, stets wissen, womit wir uns als Nächstes beschäftigen können.

Wenn wir der Lücke und der Leere erlauben, in unserem Bewusstsein ein wenig zu verweilen, können wir die Erfahrung machen, dass die Leere beginnt sich anders anzufühlen, dass sie sich angenehm weit und friedlich anfühlt. Sie hat etwas Transparentes und zugleich Beständiges an sich, das auch dann wahrnehmbar bleiben kann, wenn neue Formen auftauchen und ganz natürlich beginnen, die Lücke wieder zu schließen.

Jeder Abschied bietet die Gelegenheit, sich mit dieser ruhigen Weite vertraut zu machen. In dieser Verbindung kann uns auch die fortlaufende Veränderung unseres Ichs, unseres Selbstgefühls bewusst werden, um deren Erhalt wir uns so sehr bemühen. Ihre Stabilität ist, wie wir im Rückblick leicht erkennen können, offenkundig eine Täuschung.

Vielleicht ist die Leere und Weite unserem wahren Wesen, seiner Vielfältigkeit, Reichhaltigkeit und Grenzenlosigkeit näher als dieses Ich mit seinen oft einschränkenden Geschichten, mit denen wie uns so sehr identifizieren.