Newsletter Februar 2019

Leistung

Leistet ein kleines Kind etwas, wenn es beginnt zu krabbeln? Oder wenn es die ersten Versuche unternimmt, sich aufzurichten und ein Bein vor das andere zu setzen? Oder wenn es anfängt, zunächst Laute, und später dann Worte zu formen?

Mit Leistung hat ein kleines Kind sicher (noch) nichts am Hut. Das, was es tut, entfaltet sich ohne sein Zutun aus ihm heraus, es ist in ihm angelegt. Es ist das Leben selbst, das sich in diesem Kind zum Ausdruck bringt. Da ist kein Ich, das beschließt, irgendetwas zu tun.

Doch das, was geschieht, wird wahrgenommen und bewertet. Die Eltern loben das Kind, wenn es etwas tut, was sie gut finden. Und umgekehrt tadeln sie es, wenn es etwas tut, was sie für schlecht halten. Doch eigentlich ist da noch niemand, der etwas tut. Das, was durch das Kind getan wird, geschieht einfach.

Die Persönlichkeit des Kindes bildet sich erst jetzt, sie entsteht durch die Kommentare und Bewertungen. Die Persönlichkeit lernt, was angenehme Reaktionen bewirkt und was Ablehnung einbringt. Die Konditionierungsmaschinerie ist in Gang gesetzt. Sie erschafft ein Ich, wo es vorher eigentlich nur das Leben gab. Muster und Prägungen entstehen. Das Ich vereinnahmt das, was geschieht für sich, identifiziert sich damit, erschafft eine eigene Bewertungsinstanz.

Jetzt taucht so etwas wie Leistung auf. Konditionierung, Muster und Prägungen vergleichen das, was geschieht mit dem, was „richtigerweise“ geschehen sollte. Abweichungen werden sanktioniert, führen zu Frust, Ärger, Selbstvorwürfen. Konflikte zwischen den Mustern führen zu innerer Zerrissenheit. Das Ich kann es sich schließlich oft selbst nicht mehr recht machen.

Es sieht so aus, als ob uns das Konstrukt „Leistung“ in die Irre führen würde und uns leiden lässt. Es ist weiterhin das Leben, das sich durch uns vollzieht. Wir sind, was und wie wir eben sind und tun, was wir eben tun. Im Rückblick erkennen wir das oft klarer. Wir sehen, dass wir mit unserem damaligen „Setting“ gar nicht anders handeln konnten, als wir es getan haben. Wir können dann unseren Frieden mit der Vergangenheit machen.

Doch kommt es natürlich viel mehr auf das Jetzt an. Können wir zulassen, dass unsere „Leistung“ für uns an Bedeutung verliert? Dass wir uns nicht mehr alles zurechnen, im Positiven wie im Negativen? Können wir wahrnehmen, dass sich auch unsere (Selbst-)Bewertungen ohne unser aktives Zutun in uns vollziehen?

Und wer sind wir dann wirklich?

Auf diese Frage antwortete einst ein alter Zen-Meister seinem Schüler:

„Willst du wissen, wer du wirklich bist, dann sei achtsam bei allem, was du tust. Nimm wahr, was sich in diesem Augenblick lebt.“