Newsletter Januar 2019

Zwischen Denken und Glauben

Das Phänomen des Denkens nimmt in unserer Gesellschaft eine überragende Bedeutung ein. Wer in der Lage ist, komplexe und logische Denkprozesse zu produzieren, kann mit Anerkennung, Bewunderung und Wertschätzung rechnen. Beruflicher Erfolg ist heutzutage ohne einen ausgezeichnet funktionierenden Denkapparat kaum möglich.

Dabei wird dieser erstaunliche Prozess des Denkens weitgehend für selbstverständlich genommen. Obwohl niemand von uns weiß, wie Denken überhaupt funktioniert. Wir sind es gewohnt, in einem kontinuierlichen Strom von Gedanken zu leben. Mehr noch, wir selbst entstehen erst aus unseren Gedanken. Unser Ich-Gefühl speist sich fast ausschließlich aus dem, was gerade als Gedanken in unserem Bewusstsein erscheint.

Da wir uns so sehr als unsere Gedanken wahrnehmen, neigen wir dazu, ihnen im Allgemeinen großes Vertrauen entgegen zu bringen. Wir sind vielleicht manchmal genervt von ihnen und wollen sie loswerden, aber es kommt uns selten in den Sinn, unsere Gedanken genauer unter die Lupe zu nehmen, sie zu überprüfen. Auf eine geheimnisvolle und doch sehr vertraute Weise erschaffen die Gedanken unsere gewohnte innere Welt, den Identität stiftenden Rahmen, der unsere grundlegende Orientierung darstellt.

Wenn wir aufmerksam sind, bemerken wir, dass es einen Unterschied zwischen einem Gedanken an sich und einem geglaubten Gedanken gibt. Wir erkennen es daran, dass bei einem geglaubten Gedanke noch ein Gefühl, eine Emotion mit dabei ist. Da wir es aber nun gewohnt sind, unseren Gedanken zu glauben, verstehen wir die Emotion als den Beweis dafür, dass der Gedanke wahr ist. Gedanke und Emotion gemeinsam als Gesamtpaket sind für uns äußerst überzeugend. Gedanken sind nicht per se das Problem, sie kommen und gehen. Aber wenn wir sie aufgrund der Emotion glauben, können wir Schmerz und Leid erfahren.

Die Emotion ist aber keineswegs der Beweis für die Wahrheit eines Gedankens. Sie ist lediglich der Hinweis darauf, dass wir einen Gedanken glauben und er damit für uns eine bestimmte Bedeutung bekommt. Die Emotion gibt uns also ein Signal, das wir dazu nutzen können, den Gedanken und seine Bedeutung zu hinterfragen. Die Emotion wird zu unserem Helfer, der uns den Tipp gibt, uns den betreffenden Gedanken näher anzuschauen.

Das ist die Chance, die wir bekommen, um uns in den Raum zwischen Denken und Glauben hinein zu bewegen. Dazu brauchen wir Achtsamkeit und Beharrlichkeit in der Untersuchung unserer Gedanken. Methoden und Instrumente, z. B. aus dem NLP, können uns Orientierung geben und den Prozess erleichtern.