Newsletter Januar 2020

Wahrnehmen statt suchen

Die Suche nach etwas Besserem, nach einem Mehr von irgendetwas, nach einer gewünschten Entwicklung ist uns ein treuer Begleiter. Unterwegs zu sein, von hier nach da, fühlt sich für uns richtig an. Wir wollen ja schließlich etwas erreichen im Leben, alle Möglichkeiten ausschöpfen. Stillstand bedeutet Rückschritt.

Wenn die Suche nach dem nächsten Schritt, nach der nächsten Erfahrung, dem nächsten Ziel ins Leere läuft, dann geraten wir in Unruhe. Die Suche, so meinen wir, gibt uns die Orientierung, die wir brauchen. Vielleicht schauen wir auch oft auf das, was andere Menschen so alles machen, anstreben und erreichen. Wir hoffen, dass wir dort fündig werden und das nächste Objekt unserer Suche entdecken, das uns in Bewegung setzt.

Zur Suche gehört auch immer ein bisschen Kampf. Von nichts kommt nichts. Einen gewissen Pegel an Unbehagen, an Ungeduld, an Getriebensein interpretieren wir als Lebendigkeit, als Energie, als positive Spannung.

Wenn wir aus der Balance geraten, wenn wir den Eindruck haben, dass wir dem Leben kaum mehr hinterher kommen, wenn uns das suchen und kämpfen an unsere Grenzen bringt, dann kann es eine gute Idee sein, das Prinzip des Suchens umzukehren:

  • Nach innen zu gehen statt nach außen. Wo wollen wir mit unserer Suche im außen eigentlich innerlich ankommen?
  • Wahrnehmen statt zu suchen: Wo ist das, wonach ich suche, bereits jetzt da? Wo in meinem Leben zeigt es sich, vielleicht ohne dass ich es bemerkt und wertgeschätzt habe?
  • Die eigene Erfahrung bejahen anstatt die Erfahrung eines anderen Menschen haben zu wollen. Wo stehe ich genau jetzt und genau hier? Inwiefern ist diese Situation für mich die perfekte Gelegenheit?

Der innere Weg beendet natürlich nicht den äußeren Weg. Das äußere Geschehen entwickelt und verändert sich weiterhin in einem fort. Aber wenn wir das Prinzip des Suchens zwischendurch immer wieder mal umkehren und nach innen gehen, bemerken wir, dass wir in gewisser Weise immer schon dort angekommen sind, wo wir hinwollen. Dass wir eigentlich das schon gefunden haben, wonach wir so eifrig suchen. Und unser Kämpfen eingebettet ist in einen Raum des Friedens in unserem Inneren.