Newsletter Juli 2019

Annehmen

„Nimm einfach das an, was jetzt da ist!“ Diese Empfehlung ist bestimmt den meisten von uns schon öfter mal begegnet. Das Leben so annehmen zu können, wie es sich uns in jedem Moment präsentiert, das ist eine angenehme Vorstellung, es fühlt sich entspannt an, friedlich und leicht. Wir spüren intuitiv, dass das Prinzip des Annehmens eine tiefe Weisheit für den Umgang mit den Ereignissen unseres Lebens enthält.

Andererseits kann uns diese Empfehlung manchmal auch die Zornesröte ins Gesicht treiben. Zum Beispiel wenn wir uns gerade mit Ereignissen konfrontiert sehen, die für uns in diesem Moment schlichtweg inakzeptabel sind, die uns zutiefst widerstreben und die wir aus unserem Leben schleunigst wieder eliminieren wollen. Warum sollten wir diese Ereignisse dann annehmen, wozu soll das gut sein? Sollen wir uns denn mit unserer misslichen Lage abfinden, gute Miene zum bösen Spiel machen, uns tatenlos unserem Schicksal ergeben? Nein, das kann es nicht sein, alles in uns ruft uns dazu auf, Widerstand zu leisten, gegen die Widrigkeiten anzukämpfen.

Annehmen bezieht sich immer nur auf das Jetzt, auf genau diesen Moment. Dieser Moment ist so, wie er nun mal ist. Daran ändert sich auch nichts, wenn wir damit nicht einverstanden sind. Das, was ist, ist die Wahrheit, die einzige Wahrheit. Unsere Bewertungen und Urteile darüber sind nicht die Wahrheit und sie sind nicht hilfreich. Sie erzählen uns Lügen und trennen uns dadurch von dem, was ist. Widerstand ist kein guter Ausgangspunkt, wenn sich das Leben von seiner rauen Seite zeigt.

Annehmen meint aber nicht, unangenehme Lebensumstände dauerhaft hinnehmen zu müssen. Annehmen ist keine Aufforderung, in Lethargie zu verfallen. Nimm den jetzigen Moment an, aber unternimm alles, was du tun kannst, um deine Lebensumstände zum Besseren zu wenden. Indem du die jetzige Situation annimmst und ja zu ihr sagst, bewegst du dich zu ihr hin statt von ihr weg. Das ist ein guter Ausgangspunkt, um Ideen zu bekommen und Chancen für Veränderung zu erkennen.

Wir können uns darauf verlassen, dass das Leben uns mit ausreichend Gelegenheiten versorgen wird, das Annehmen zu üben. Das wird uns nicht immer sofort gelingen. Aber auch das Scheitern beim Annehmen ist schon wieder eine neue Gelegenheit, das Annehmen zu üben:

Wenn du etwas partout nicht annehmen kannst, kannst du immer noch dein Nicht-annehmen annehmen. Du nimmst dich selbst in deiner (momentanen) Unfähigkeit an, den jetzigen Augenblick anzunehmen. Wenn das Außen inakzeptabel ist, kann also immer noch das Innen angenommen werden.