Newsletter Juni 2018

Verhaftung an das Ergebnis

In der Gesellschaft und Kultur, in der wir aufgewachsen sind, wird unser Erfolg und unser Ansehen überwiegend an dem bemessen, was wir in unserem Leben konkret erreichen, also auf die Ergebnisse unseres Tuns und Schaffens in den verschiedenen Bereichen unseres Lebens.

  • Auf der materiellen Ebene kann das unser Auto, Haus oder die Höhe unseres Einkommens sein.
  • Auf der Bildungsebene kann das z. B. der Schul-, Universitätsabschluss, ein Doktortitel oder ein umfassendes Allgemeinwissen sein.
  • Auf der Beziehungsebene können wir vielleicht mit einer langjährigen Ehe und (wohlgeratenen) Kindern punkten. Auch der Glanz eines illustren Freundeskreises kann auf uns abstrahlen.

Wir alle sind es gewohnt, auf das Erreichen solcher Ergebnisse hin zu arbeiten. Aber was ist mit dem Weg dorthin, mit den vielen Schritten zu einem Ergebnis? Der Weg besitzt eine weitaus geringere Wertschätzung. Er ist eher ein lästiges Übel, das wir in Kauf nehmen müssen, um das Ergebnis zu erreichen. Je schneller wir den Weg hinter uns bringen, desto besser. Auf dem Weg gibt es für uns keine Lorbeeren zu ernten. Die vielen Schritte auf dem Weg besitzen ihren Wert für uns also nicht aus sich selbst heraus, sondern nur durch ihren Bezug zum letzten Schritt des Weges, nämlich dem gewünschten Ergebnis.

Den vielen (nebensächlichen) Schritten steht also am Ende des Weges unglücklicherweise nur ein einzelnes (wichtiges) Ergebnis gegenüber. Selbst wenn wir erfolgreich sind und wir das Ergebnis erreichen, werden wir oft enttäuscht und haben den Eindruck, dass die Freude über das Ergebnis die Mühen des Weges nur schwer aufzuwiegen vermag. Und wenn wir gar scheitern, waren nicht nur alle Mühen vergebens sondern bekommen zum Schluss noch den endgültigen K.O. verpasst.

Wie kommen wir aber aus diesem Dilemma heraus? Sollen wir überhaupt noch Ergebnisse anstreben?

An Ergebnissen ist nichts auszusetzen. Entscheidend ist aber, dass wir, während wir auf dem Weg sind, die Verhaftung an das gewünschte Ergebnis loslassen. Das bedeutet, dass wir jeden einzelnen Schritt wertschätzen. Nicht für das, wofür wir meinen, ihn gehen zu müssen. Sondern für das, was er ist, eben genau dieser Schritt. Das Ergebnis verliert damit seine alles dominierende Bedeutung.

Daran ist nichts Schlimmes. Vielleicht kommen wir hier an, vielleicht auch woanders. Es kümmert uns nicht mehr so sehr, denn indem wir jeden einzelnen Schritt wertschätzen, werden wir schon während des Weges reich beschenkt.