Newsletter Juni 2019

Kompromisse

Kompromisse werden gefordert, oft als notwendig oder gar schmerzhaft bezeichnet. Kompromisse sind nicht sonderlich beliebt. Meist scheint es so, als ob es bei Kompromissen nur Verlierer geben würde und beide Seiten das Vereinbarte nur zähneknirschend akzeptieren. Kompromisse können offenbar bestenfalls als notwendiges Übel in Kauf genommen werden, da sie nun mal im Zusammenleben mit anderen Menschen unvermeidlich sind.

Als pragmatischer Methode wird es im NLP sehr klar gesehen, dass wir unser Leben ganz wesentlich in Beziehungen gestalten. Das bringt es mit sich, dass auch ein Großteil unserer „Probleme“ hier ihren Ursprung nehmen. Denn wir sind es gewohnt, uns über die Abgrenzung zum Anderen zu definieren, oft auch über Konkurrenz und Vergleich. Wir haben uns mental klare Vorstellungen und Vorgaben konstruiert, was uns gegenüber anderen Menschen zusteht, was wir von ihnen erwarten können und was wir keinesfalls hinnehmen dürfen. In dieser inneren Einstellung sind die Spielräume für Kompromisse sehr begrenzt und „Win-win-Lösungen“ kaum möglich.

Im NLP gibt es daher eine Vielzahl von Instrumenten, die uns tiefer in die Welt der Anderen hinein führt, uns mit allen Sinnen in Kontakt bringt mit der Erfahrungswirklichkeit der Menschen, die uns begegnen. Die Wahrnehmungspositionen, das Kalibirieren, in den Schuhen des Anderen gehen, das Konzept der positiven Absicht, der Behaviour Generator, das Modeling und viele viele mehr.

Die Fähigkeit, „in die 2. Position zu gehen“, also in die Position des Anderen, kann uns im Umgang mit Kompromissen sehr unterstützen. Indem wir ganzheitlich, also mit den Empfindungen unseres Körpers, den mentalen Inputs unserer Gedanken sowie unseren emotionalen Prozessen so umfassend wie möglich in die Welt des Anderen eintauchen, bewegen wir uns in eine neue Ebene des Verstehens hinein. Motivation und Bedürfnisse aller Beteiligten werden uns klarer. Empathie und Mitgefühl nehmen zu. Die Situation als Ganzes zeigt sich in all ihren Facetten und Zusammenhängen.

Diese erweiterte Wahrnehmung verschiebt nicht nur unsere „Akzeptanzschwelle“ für Kompromisse. Eine andere Qualität des Zugangs zum Anderen ist nun möglich. Sie öffnet auch unsere Kreativität für Lösungen, die sich vorher außerhalb unseres Blickfelds befunden haben. Vor allem aber verliert die Trennung zwischen „mir und dir“ an Schärfe. Je tiefer ich mir jemanden vertraut gemacht habe, desto mehr wandeln sich Zugeständnisse zu einem Entgegenkommen, wie man es Freunden gerne gibt.