Newsletter März 2019

Reframing

Die Ereignisse unseres Lebens sind für uns so lange ohne Bedeutung, bis wir ihnen eine geben. Dass die Ereignisse an sich ausnahmslos erstmal ohne Bedeutung bei uns ankommen, ist uns kaum bewusst. Denn wenn es etwas gibt, auf das wir uns bei uns selbst hundertprozentig verlassen können, dann ist es das:

Alle Situationen, in denen wir uns befinden, alle Ereignisse, die auftauchen, bewerten wir, ordnen wir ein und zu, geben ihnen Bedeutung. Nichts bleibt unkommentiert. Alles und jedes erhält sein Etikett in Form von Gedanken, passenden Emotionen und Gefühlen. Das geschieht so selbstverständlich und automatisch, dass ein Leben ohne diesen ununterbrochenen Bewertungsmarathon kaum vorstellbar ist. Wir sind dieser Strom und aus ihm heraus positionieren wir uns fortlaufend gegenüber der Welt im Außen.

Dieser Prozess ist wohl eine der grundlegendsten kollektiven Konditionierungen, die wir als Menschen erleben. Ob wir uns aus diesem Muster irgendwann einmal heraus entwickeln werden, an dieser Frage scheiden sich die Geister und wir wollen sie auch hier nicht vertiefen. Hier und heute sieht es für uns jedenfalls so aus, dass wir diese Konditionierung nicht durch einen Akt des Willens, eine raffinierte Technik oder irgend etwas anderes stoppen können.

Wozu auch? Kaum einer von uns würde das auch wollen. Denn so anstrengend es auch ist, es ist auf der anderen Seite doch auch sehr unterhaltsam und bereitet uns viel Freude.

Mit einem Instrument aus dem NLP kann dieses Spiel sogar auf eine neue Ebene gehoben werden. Indem wir uns bewusst machen, dass wir das Bedeutungsetikett, das unsere Konditionierung an ein bestimmtes Ereignis vergibt, nicht beibehalten müssen, sondern nach Belieben verändern können, eröffnen wir uns die kreativen Möglichkeiten des sogenannten „Reframings“:

Reframing bedeutet, die Dinge in einen anderen Rahmen (engl. frame) zu setzen, sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das bietet sich natürlich vor allem dann an, wenn die ursprüngliche Bedeutung uns dazu verleitet hat, ein Ereignis negativ zu bewerten und darunter zu leiden. Dann können wir unsere Kreativität in Gang setzen und andere Bedeutungen ausfindig machen, die eine positivere Bewertung dieses Ereignisses zur Folge haben.

Wir sind es z.B. gewohnt, eine Krankheit als eine unliebsame Erfahrung zu betrachten. Aber sie kann uns auch als Beweis dafür dienen, dass unser Körper sehr gut darauf achtet, uns die nötigen Ruhephasen zu verschaffen. Begegnet uns ein knausriger Mensch, können wir von ihm immer noch ein paar Tricks zum Sparen lernen. Verlieren wir unseren sicheren aber langweiligen Job, bekommen wir dadurch die Freiheit, uns auf das zu besinnen, was uns wirklich am Herzen liegt.

Je spielerischer wir an das „Reframen“ herangehen, desto effektiver und leichter funktioniert es. Jede Situation ist dafür geeignet, jedes Ereignis hat das Potential, sich – jetzt oder in der Zukunft – als Glücksfall für uns zu erweisen. Was können wir schon verlieren außer einer betrüblichen Geschichte, die unsere Konditionierung uns glauben machen wollte!

„Es gibt nichts, das an sich gut oder schlecht wäre, nur das Denken macht es so.“
William Shakespeare