Newsletter Oktober 2019

Polaritäten nutzen

Als Polaritäten werden Gegensatzpaare bezeichnet, die sich aus zwei Polen zusammensetzen. Die Pole sind eng miteinander verbunden, ja sie bedingen sich sogar gegenseitig, sind komplementär, bilden eine untrennbare Einheit. Den einen Pol gibt es nicht ohne den anderen. Kalt nicht ohne heiß, hell nicht ohne dunkel, krank nicht ohne gesund.

Daraus ergibt sich, dass innerhalb einer Polarität die beiden Pole grundsätzlich gleichwertig sind. Denn sie beschreiben nur gemeinsam die gleiche Sache, sind beide unverzichtbarer Bestandteil davon. In unserem Leben sind wir es jedoch gewohnt, eine klare Vorliebe für nur einen der beiden Pole zu haben. Gesund ist uns lieber als krank, reich lieber als arm, jung lieber als alt.

Wenn wir uns jedoch bei einem Thema stark auf einen Pol fokussieren, lehnen wir damit unbewusst die zugrunde liegende Ganzheit ab, aus der heraus dieser Pol überhaupt erst existieren kann. Auf die eine oder andere Weise ist nämlich stets auch der andere Pol in unserem Leben präsent und entfaltet seine Wirkung. Wenn wir reich sind, wird uns dennoch die Armut beispielsweise in den Nachrichten oder in unseren Ängsten begegnen. Aus der Ganzheit lässt sich nicht die eine Hälfte eliminieren. C. G. Jung stellt hierzu die Frage: „Willst du ganz sein oder gut?“

Polaritäten finden sich in jedem Lebensthema, jedem Problem oder Ziel, bei Werten und Überzeugungen. Im NLP nutzen wir daher in verschiedenen Instrumenten die ganzheitliche, wertungsfreie Eigenschaft von Polaritäten. Der Raum der Polarität eröffnet stets einen größeren Rahmen (chunk up!).

In einer einfachen Form können wir uns bei einem beliebigen Thema zunächst bewusst machen, auf welchen Pol wir uns gerade fixieren und dann auch den anderen Pol, den Gegenpol dazu finden und benennen. So beginnen wir, uns allmählich den Raum der Polarität zu erschließen. Wir können diesen Raum immer tiefer erkunden, indem wir jeweils beide Pole näher untersuchen, z.B.:

  • wie fühlt es sich im Körper an, wenn wir die Pole leben?
  • welche Gedanken und Gefühle gehören zu jedem Pol?
  • wie laden wir sie in unser Leben ein?
  • welche Erfahrungen verschaffen wir uns mit ihnen?
  • wie wirkt es sich auf andere Menschen in unserem Umfeld aus, wenn wir die Pole leben?

Es ist nicht ratsam, eine Polarität in der Zielsetzung zu untersuchen, sich zu ändern oder ein Problem zu beseitigen. Eine derartige Untersuchung entfaltet ihre Wirkung am besten, wenn wir sie sozusagen absichtslos, in einer meditativen Art und Weise durchführen. Unsere innere Weisheit reagiert von ganz alleine, wenn wir uns erlauben, in die Ganzheit einer Polarität einzutreten.