Newsletter September 2017

Absichtsloses Tun

Ein Meister war mit seinem Schüler in der Stadt unterwegs. Als sie an einem blinden Bettler vorbeikamen, sagte der Meister zu seinem Schüler: „Gib dem Mann ein Almosen!“ Der Schüler warf dem Mann eine Münze in den Hut. „Jetzt bedanke dich und verneige dich vor ihm“, sagte der Meister. Der Schüler tat dies wiederwillig und sagte wenig später: „Warum sollte ich mich verneigen, der Mann war doch blind?“ Der Meister erwiderte: „Dies tut nichts zur Sache, die Verbeugung machst du für dich und nicht für ihn. Und“, fügte er hinzu, „ wer weiß, vielleicht ist der Mann ein Schwindler.“

Viele Instrumente des NLP zielen darauf ab, bestimmte Veränderungen zu erreichen, die wir uns wünschen. Wir arbeiten mit unseren Gedanken, unseren Gefühlen, auch unseren Körper beziehen wir mit ein, um Ziele zu realisieren und Probleme zu beseitigen. Wir lernen und erfahren dabei, wie kraftvoll es ist, aufmerksam und achtsam zu sein und welche Möglichkeiten wir uns eröffnen können, indem wir uns fokussieren und beständig ausrichten.

Manchmal geraten wir jedoch dabei etwas aus der Balance und verlieren uns zu sehr im Streben und Fokussieren. Das schlichte mit-dem Leben-gehen ohne Warum und Wozu ist der Gegenpol, der ebenfalls dazugehört und uns zu Entspannung, Offenheit und Vertrauen führt.

Dieses absichtlose Tun zeigt uns die einleitende Zen-Geschichte. Es kommt nicht darauf an, ob die Verbeugung wahrgenommen wird oder das Schenken angemessen ist. Wir können etwas verschenken, ohne zu erwarten, dass der Beschenkte es so verwendet, wie wir es für richtig halten. Oder wir fegen die Einfahrt, obwohl gerade die Blätter von den Bäumen geweht werden. Oder wir decken den Tisch festlich, obwohl keine Gäste kommen.

Viel Spaß beim Experimentieren, liebe Grüße!